Wozu Energieautarkie und Energiekonzept?
Autarkie, Selbständigkeit im allgemeinen Sinne bedeutet, dass Organisationseinheiten oder Ökosysteme alles, was sie ver- oder gebrauchen, aus eigenen Ressourcen selbst erzeugen oder herstellen. Energieautarkie ist also die Fähigkeit etwa einer Gemeinde, ihren Energiebedarf aus eigenen Ressourcen zu decken, damit auch Versorgungssicherheit zu garantieren. In Anbetracht der wachsenden Energiekosten und vor allem der zunehmenden Abhängigkeit von Energieträgerlieferungen aus politisch unstabilen Regionen bekommt dies einen sehr hohen Stellenwert.
Die beste Energie ist natürlich die, die man gar nicht braucht: hier geht es z.B. um die Vermeidung von Verlusten bei der Heizung (oder Kühlung) von Gebäude (Wohn-, Gewerbe-, Verwaltungsgebäude) oder die Reduktion des Energieaufwandes, der für Mobilität und Warentransporte erforderlich ist.
Gefährlich ist es aber, Effizienzsteigerungen als das Allheilmittel anzupreisen; diese Problematik ist eigentlich seit 1865 als Jevons’ Paradoxon bekannt: darunter versteht man in der Ökonomie eine Beobachtung von William Stanley Jevons, derzufolge technologischer Fortschritt, der die effizientere Nutzung eines Rohstoffes erlaubt, letztlich zu einer erhöhten Nutzung dieses Rohstoffes führt, anstatt sie zu senken. Heute spricht man von Rebound-Effekt.
Wir müssen daher andere Wege beschreiten: Würde man sein Wohnhaus isolieren, und dann die Raumtemperatur um ein paar Grade erhöhen würde der Effekt der Einsparung sofort zunichte gemacht. Effizientere Motoren, die dann 1,5 mal schwerere Autos antreiben, bringen in Summe ebenfalls keine Erparnis.
Eine Vision, die einen größtmöglichen Selbstversorgungsgrad bis hin zur Energieautarkie anstrebt ist in der Energiestrategie Österreich verankert. Randbedingung ist, dass hohe Versorgungssicherheit gewährleistet bleibt, die CO2-Entlastung (Dekarbonisierung) des Energiesystems vorangetrieben wird, die soziale Tragfähigkeit erhalten bleibt und die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs gestärkt wird. Die Plakative Messlatte „20/20/20“ beschreibt das Ziel der Europäischen Union bis 2020 bei 20%iger Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes (Basis 1990) einen 20%igen Anteil erneuerbarer Energien zu erreichen sowie die Energieeffizienz um 20% zu erhöhen.
Klosterneuburg verfügt über kein Gesamtenergiekonzept. Initiativen der PUK (Gemeinderat, Klimabündnisarbeitskreis, von uns initiiere Exkursionen) in diese Richtung sind bis jetzt seitens der Verantwortlichen nicht weitergeführt worden.
Güssing hat in Österreich Pionierleistungen in Bezug auf Erreichen der Energieautarkie erbracht, da die Gemeinde/Region zum Netto-Energieexporteur geworden ist.
Natürlich lässt sich das Modell Güssing nicht 1 zu 1 auf Klosterneuburg übertragen, aber es stehen auch hier eine Menge Ressourcen zur Verfügung:
Blockheizkraftwerke/Fern-/Nahwärme aus biogenem, nachwachsendem Rohstoff, insb. Holzabfälle oder eigens für die Verbrennung angebaute Holzarten und Pflanzen, wie etwa Riesen-Chinaschilf (Miscanthus giganteus). Vor allem in Kombination mit Stromerzeugung ist ein sehr hoher Wirkungsgrad zu erzielen. Regionale Anlieferung ist natürlich wichtig.
Solarthermie (Warmwasser aus Sonnenstrahlung)
Photovoltaik (Strom aus Sonnenstrahlung)
Anmerkung: sehr viele Dachflächen in Klosterneuburg sind südwärts ausgerichtet und eignen sich im Prinzip als Träger von Solaranlagen. Daten aus geographischen Informationssystemen liegen zwar vor, werden für die Zwecke einer BürgerInneninformation nicht genutzt.
Windenergie (Windräder, z.B. auf dem zu Klosterneuburg gehörenden nördlichen Teil der Donauinsel? http://wms1.zamg.ac.at/beauvort/index.php
Geothermie (Erdwärme)
Wasserkraft (z.B. durch „Strom-Bojen®“: eine Strom-Boje ist ein schwimmendes Mini-Strömungskraftwerk (eine Österreichische Entwicklung der Firma Aqua Libre Energieentwicklungs GmbH), das knapp unterhalb der Wasseroberfläche liegt, eine Turbine enthält, ähnlich der eines großen Kraftwerks, und die Fließenergie des Wassers in Elektrizität umwandelt. Erfolgreiches Pilotprojekt in der Wachau.
Man muss es eigentlich nur tun! Auch Klosterneuburg kann etwas tun!
Erforderlich sind aber hohe Investitionssummen, die sich erst in Zeiträumen von 10-20 Jahren amortisieren. Gemeinden allein schaffen das nicht.
In Zeiten der Wirtschaftskrisen, der unvorhersehbaren Geldwertentwicklung ist allerdings eine Investition in reale Wirtschaftswerte – also etwa eine Kleinkraftwerk – sogar für BürgerInnen interessant. Es erscheint durchaus sinnvoll, wenn BürgerInnen gemeinsam mit der Gemeinde als „Initiatorin“ – also in einer genossenschaftlichen Organisationsform – ein solches Projekt auf die Beine stellen. Die Investition liefert dann Energie (thermisch und/oder elektrisch), und zahlt damit den GenossenschaftlerInnen ihren Einsatz bzw. nach einer gewissen Zeit sogar Gewinn zurück.
Eine Genossenschaft (oder Kooperative) ist ein Zusammenschluss von natürlichen und juristischen Personen (Personenvereinigung), die sich gemeinsam unternehmerisch betätigen (genossenschaftlicher Geschäftsbetrieb).
Vielleicht
weniger Rendite als bei Finanzluftblasen versprochen wird, dafür
aber allemal sicherer!
Bernd Schweeger