Offener Brief vom 22.3.04
Zur Verkehrssituation Umland Wien, insb. Klosterneuburg Appell zur Intensivierung der regionalen Zusammenarbeit
Plattform Umfahrung Klosterneuburg (PUK), Dr. Bernd Schweeger/Sprecher der PUK
An
Bürgermeister Dr. Michael Häupl
Vizebürgermeister STR Dr. Sepp Rieder
STR Dipl. Ing. Rudolf Schicker
Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll
Landesrat Mag. Wolfgang Sobotka
Landesverkehrsplaner Dr. Friedrich Zibuschka
Bürgermeister Dr. Gottfried Schuh
Für die Planungsgemeinschaft OST: Fr. Brigitte Jilka
Für den Verkehrsverbund Ost-Region: Manfred Novy
Ich schreibe Ihnen als Sprecher einer parteiunabhängigen Klosterneuburger Bürgerinitiative, die sich zum Ziel gesetzt hat, nicht nur ein derzeit im Planungs- bzw. Bewilligungsstadium befindliches "Umfahrungs"-Projekt zu verhindern, sondern darüber hinaus konstruktive Vorschläge zu unterbreiten, wie der steigende Mobilitätsbedarf der Bevölkerung befriedigt werden kann.
Zentrale Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang dem Ausbau und der Erhöhung der
Attraktivität des öffentlichen Verkehrs zu.
Es ist wahrscheinlich jedem Städteplaner klar, dass irgendwann in nicht allzu ferner
Zukunft der Individualverkehr – auch durch unpopuläre Maßnahmen – beschnitten werden
muss, um die Lebensqualität in Agglomerationen und deren Umland zu erhalten bzw.
wiederherzustellen. Leider ist dies in unserem Wirtschaftssystem nur über Kostensteuerung
möglich.
Zu einer solchen Kostensteuerung gehört auch, den öffentlichen Verkehr preislich attraktiver zu machen. Ich plädiere daher für die Eingliederung von Klosterneuburg in die Kernzone 100 des Verkehrsverbundes Ost-Region.
Für einen günstigen Modal Split darf einfach nicht passieren, dass Verkehrsinfrastrukturprojekte eingereicht werden, die etwa beim Bahnhof Klosterneuburg-Weidling keinen Pendlerparkplatz mehr erlauben, und damit jede Art der sanften Mobilität verunmöglichen. Das widerspricht Inhalt und Geist des Masterplans Verkehr Wien 2003, und dem Landesverkehrskonzept NÖ!
Selbstverständlich sollten dennoch Strassen dort, wo es wirklich Sinn macht, ausgebaut werden.
In Klosterneuburg macht etwa eine gute Anbindung des Industriegebietes wirklich Sinn. Nur: die ideale Zufahrtsmöglichkeit, bei der praktisch keine Beeinträchtigung der Wohnbevölkerung stattfindet, ist am Fuß des Leopoldsberges bei der „Donauwarte“, und befindet sich – gerade noch – auf Wiener Gemeindegebiet. „Kenner“ der politischen Lage winken ab und sagen „das sei politisch nicht machbar“. Ich kann mich allerdings zu einem Zeitpunkt, wo Politiker aller Lager von EU-weiter Integration, überregionaler Zusammenarbeit usw. sprechen, mit einer solchen resignativen Haltung nicht abfinden! Ich bitte Sie, mir bekanntzugeben, welche Schritte in Richtung überregionaler Zusammenarbeit schon laufen oder geplant sind. Muss denn die Öffentliche Hand € 70 Millionen für ein Projekt Umfahrung Klosterneuburg ausgeben, das geographisch extrem ungünstige, und die lokale Wohnbevölkerung schwer belastende Zufahrten zum Industriegebiet schafft, statt mit einem Bruchteil der Kosten eine wesentlich günstigere Variante in nur 500 m Distanz zu verwirklichen, für die allerdings Kooperation und Konsens zwischen zwei verschiedenen Gebietskörperschaften erforderlich wäre?!
Mein Appell an Sie, die Sie die Zügel der politischen Machtapparate führen, bzw. in die technische Realisierung von Mobilitätsprojekten federführend involviert sind:
- Machen Sie Ihren Einfluss geltend, damit die zweifellos erforderlichen Maßnahmen zur Steuerung der Mobilität nicht vor Gemeinde- oder Landesgrenzen haltmachen. Mobilität in der Ost-Region ist eine Herausforderung, die nur gemeinsam, und unter Einbezug der Wohnbevölkerung (vor allem, weil diese auch umdenken müssen wird!) zu lösen sein wird.
- Machen Sie Ihren Einfluss geltend, den Nahverkehrsmarkt durch flexible, innovative, bedarfsorientierte und kostengünstige Angebote des Öffentlichen Verkehrs zu beleben. In Zeiten des Kyoto-Abkommens, massiver, durch motorisierten Individual- und Warenverkehr mitverursachter Gesundheitsgefährdung hat das Auto als Statussymbol ausgedient und verantwortungsvolle Politiker aller Couleurs stellen eine nachhaltig gesunde Umwelt in den Vordergrund.
- Machen Sie Ihren Einfluss geltend, damit auch dem Fernverkehr zur Abwendung einer Transitproblematik sinnvolle Alternativen (Schiene/Strasse/Wasser) geboten werden können.
Es ist genau heute der richtige Zeitpunkt, um Investitionen in ökologisch verträgliche, nicht nur Partikularinteressen dienende Lösungen umzudirigieren. Morgen ist es zu spät. Dann haben wird das Geld in die Strassen gepumpt, auf denen Autos versuchen werden zu fahren, die dort, wo sie hinwollen, nicht mehr gewollt werden.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Bernd Schweeger