Reaktion auf Pröll-Brief von Mag. Gertrude Zulka-Schaller
Sehr geehrter Herr Landeshauptmann!
Herzlichen Dank für Ihren persönlichen Brief zum Thema „Umfahrung Klosterneuburg“. Leider komme ich wegen Urlaub und anschließender Krankheit erst jetzt dazu, ihn zu beantworten.
Offen gestanden verstehe ich die Entscheidung, in Klosterneuburg eine Umfahrungsstraße zu bauen, nicht. Immer wieder wird von staatlicher Seite betont und beworben, wie wichtig der Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel sei („Schiene statt Verkehrslawine“). Österreich hinkt bei der Umsetzung des Kyoto-Protokolls nach und schafft es offensichtlich nicht, seine Kohlendioxidemissionen zu begrenzen, geschweige denn zu verringern. Immer wieder hören wir in den Medien von der katastrophalen Situation im Inntal, wo der Transitverkehr die Lebensqualität in gesundheitsgefährdendem Maß beeinträchtigt. Im Lebensministerium wird derzeit ein Radverkehrs-Masterplan entwickelt, der Rahmenbedingungen für einen Umstieg aufs Fahrrad schaffen soll. Die Erdölpreise stiegen bereits in drastischem Ausmaß und werden angesichts des 2010 bevorstehenden Peaks der Ölproduktion wahrscheinlich noch viel stärker ansteigen, was die weitere Ausübung des Individualverkehrs in Zukunft zwangsläufig sehr stark einschränken wird.
Es fragt sich, wie man angesichts dieser Rahmenbedingungen und Zielsetzungen noch auf den Individualverkehr setzen, eine neue Straße planen und das ganze auch noch als Umweltschutzmaßnahme darstellen kann. Verkehrsplaner sind sich darin einig, dass neue Straßen Verkehrsprobleme verlagern oder gar durch Generierung neuen Verkehrs verschlimmern, aber nicht nachhaltig lösen.
In Klosterneuburg wären Radwege nach Kierling, Weidling und Gugging dringend notwendig.
Die Umgehungsstraße ist dagegen gemeinsam mit Donaubrücke Traismauer, Marchfeld-Schnellstraße, Spange Kittsee, Lobau-Autobahn und Donaubrücke Korneuburg als Element der Bemühungen zu sehen, aus Ostösterreich ein Durchhaus für Ostblock-LKWs zu machen.
Solche Projekte werden von mir sicher nicht unterstützt.
Mit freundlichem Gruß
Mag. Gertrude Zulka-Schaller