Reaktion auf Pröll-Brief
Sehr
geehrter Herr Landeshauptmann,
Lieber
Herr Dr. Pröll!
Ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie mir als Bürgerin der Stadtgemeinde Klosterneuburg einen persönlichen Brief betreffend den Bau der Umfahrungsstraße senden! Das gibt mir die Gelegenheit, eine Antwort zu formulieren.
Dass die Verkehrssituation in Klosterneuburg eine „Herausforderung“ darstellt, sehe ich ebenfalls so. Ich finde es auch sehr positiv, dass nach über 20 Jahren der Versprechungen seitens der hiesigen Politik ernsthaft Schritte gesetzt werden sollen. So kann ich zB. der Anbindung des Gewerbeparks an die Wiener Straße viel abgewinnen.
Das ist aber auch schon alles, was ich an diesem Projekt als „sinnvoll und ökologisch verträglich“ bezeichnen würde.
Mir blutet das Herz, wenn ich an die geplante Rodung der Kastanienallee denke, durch die ich seit meiner Kindheit mit dem Rad fahre bzw. geritten bin. Es schmerzt, wenn ich mir die Dimension dieser gewaltigen Straße vor mein inneres Auge hole und es ist eigentlich pietätlos das älteste Viertel Klosterneuburgs, nämlich das Martinsviertel, durch den Bau einer mächtigen Stelzenbrücke zu zerstören.
Uns Klosterneuburgern wird damit ein großer Teil dessen, was für uns „Lebensqualität“ ausmacht, weggenommen, keinesfalls verbessert. Wir leben hier gerade WEIL wir den grünen Saum um unsere Stadt so schätzen, nicht obwohl er da ist. Wir leben hier WEIL wir die Nähe zu Wien – meist aus beruflichen Gründen – brauchen, keineswegs aber in einer zugepflasterten verkehrsträchtigen Stadt leben wollen.
Wem ein bis zwei Ampelphasen am Stadtplatz zu lange dauern (länger habe ich noch nie gewartet) zieht eben nicht hier her. Jene die unter dem Verkehr am meisten leiden (Bewohner der Hölzlgasse, des Stadtplatzes, der Albrechtstraße), haben meinen tiefen Respekt. Zweifelsfrei sollte hier für Ausgleich gesorgt werden, aber es gibt ganz andere Möglichkeiten diesen zu schaffen, als die Belastung einfach zu verlagern bzw. der ganzen Stadt das Erholungsgebiet zu rauben.
Es könnten wesentlich mehr Anreize für die Benützung öffentlicher Verkehrmittel geschaffen werden: Zur Zeit kostet uns eine Fahrt nach Wien hin und retour mit den Öffis 12 €!!
Die Verlängerung der Zone 100 bis Klosterneuburg und ein wirklich flächendeckendes Netz wären zB Anreize statt mit dem Auto, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Ein klares „Ja“ zum Radverkehr fehlt uns. Der Klosterneuburger Verkehr ist ja bekanntlich zu einem großen Teil „hausgemacht“. Ich selbst stelle oft fest, wie Radfahrer-unfreundlich unsere Stadt eigentlich ist. Radständer gibt es fast keine mehr, von flächendeckenden Fahrwegen ganz zu schweigen, die Liste ist laienhaft, unvollständig, lediglich eine demonstrative Aufzählung.
Obwohl gerade hier jene Menschen leben, die alle Verkehrsmittel zur Verfügung haben, wird doch nur auf „ein Pferd“ gesetzt, nämlich auf das motorisierte. Wenn wir die kleinen Hebeln in Bewegung setzen, sparen wir uns viel Geld, es sind nicht immer die teuren Lösungen die besten. Und wenn schon unbedingt gebaut werden muss, dann könnte man sich doch auch andere Vorschläge durch den Kopf gehen lassen.
Als Befürworterin des Dialoges zwischen den Vertretern der unterschiedlichen Interessen vermisse ich zutiefst dieses Durchdenken der anders lautenden Lösungsvorschläge. Auf diese Weise werden ideelle und materielle Ressourcen vergeudet und die Akzeptanz in der Bevölkerung verspielt. Würde das Projekt heute eingereicht, wäre eine Umweltverträglichkeitsprüfung aufgrund der hohen Luftschadstoffwerte in Klosterneuburg geboten. Eine Bürgerbeteiligung wäre heute unumgänglich und ich halte sie nach wie vor für die einzige demokratiepolitisch vernünftige Strategie.
Das Umfahrungsprojekt wird in der jetzigen Form von einem großen Teil der Klosterneuburger Bevölkerung keineswegs „unterstützt“, sondern auf das Schärfste abgelehnt.
In dem Bewusstsein, dass Sie zu jenen Politikern gehören die „für“ und nicht „gegen“ das Volk regieren, vertraue ich auf Ihre Durchsetzungskraft.
Verbauen Sie unser Erholungsgebiet nicht!
Wir und unsere Kinder danken Ihnen!
Mit
freundschaftlichen Grüßen,
Ihre M.W. (Name der Redaktion bekannt)