Skip to content

Plattform Unser Klosterneuburg

PLATTFORM UNSER KLOSTERNEUBURG

Stadtplanung die ganzheitliche Sicht vermissen lässt

Document Actions
eine Analyse der derzeitigen Entwicklung städtischer Infrastruktur durch einen engagierten Bürger zeigt ein recht düsteres Szenario. Wenn alle Befürchtungen eintreffen kann keine Rede mehr sein von einer Modellstadt 2020. Dabei geht es gar nicht nur um den Handel, sondern vor allem um die Menschen, die in den ausgedörrten Bereichen zu leben haben.
Sehr geehrte PUK Fraktion, ich erlaube mir meinen zweiten Leserbrief zum Klosterneuburger Verkehrskonzept zu übermitteln, Fragen und Anregungen bitte an

Martin Gruber
Steinhäuslgasse 23
3400 Klosterneuburg
Martingruber2 *at* gmx.at

Nun zum Inhalt des Briefes, ich verwende dafür ausschließlich Informationen der Presse, der Stadtgemeinde und aus der NÖN bzw. aus den lokalen Fernsehsendern. Ebenfalls hilfreich war eine von der Stadtgemeinde aktualisierte Landkarte von Klosterneuburg, wo auch schon die Entlastungsstraße eingezeichnet ist. Mit diesem Material machte ich mich nun auf Spurensuche in meiner Heimatstadt, um die Zukunft ein wenig näher zu beleuchten.

These zur Entlastungsstraße: Ich glaube zwar sicher, dass neue Straßen neuen Verkehr anziehen, dies tun sie seit 2000 Jahren; unterstellt wird, dass die Entlastungsstraße eigentlich den Verkehr vom Niedermarkt und vom Rathausplatz abziehen muss. Tut sie aber nicht. Sie zieht aber interessanterweise die Kaufkraft in einem Ausmaß ab, dass die Stadtzentren verhungern werden (SIC!).

Warum dies ? Am Ende der Entlastungsstraße und des (geplanten) Tunnels werden riesige Kreisverkehre gebaut werden, und diese führen direkt zu Einkaufszentren (EKZ) von einigen 10.000 m². Wer also einkaufen fahren will in Klosterneuburg, wird also in Zukunft am Ende dieser Entlastungsstraße in ein EKZ fahren müssen, das Auto stellt ein Muss dar; die Innenstadt von Klosterneuburg (Stadtplatz, Niedermarkt, Weidling und Rathausplatz) werden zur Autoabstellfläche verkommen, mit einigen Bäumen behübscht, aber geschäftsmäßig tot. Die vielgepriesene Gastwirtschaft in dieser Stadt wird durch Fresslokale in den EKZ ersetzt, und die im Kienerkonzept erwähnten Standeln bzw. Gastgewerbezonen sind eine total tote Story.

Was ist passiert ? Die EKZ am Ende der Umfahrung bzw. am Ende des Tunnels werden stark wachsen und die Kaufkraft abziehen und wie ein Gummiband die Kunden von der Stadtmitte nach außen ziehen. In 2 – 3 Jahren soll eine Durchfahrtssperre die Obere Stadt entlasten, belastet sie aber massiv! In 5 – 7 Jahren wird wahrscheinlich das gleiche für die untere Stadt gelten, man wird versuchen, sie für die Durchfahrt zu sperren, und damit einen hohen Verkehrsanteil von Hin- und Herfahrern produzieren.

Wie wird das alles in 30 Jahren aussehen ? In der Zukunft werden die außenseitigen Zentren und das Gewerbegebiet von Klosterneuburg massiv gewachsen sein, die Stadtmitte wird eine Stehzone – vulgo Parkplatz für Autos sein. Vielleicht gibt es dann Fußgeherzonen, sie werden aber zu Parkzonen verkommen und geschäftsmäßig tot sein. Klosterneuburg wird dann seine Erbsünde eines ÖVP Flächenwidmungsplanes hemmungslos ausleben und völlig zersiedelt sein. Die Stadt selbst besteht dann nur noch aus einer Art Umfahrungsautobahn und einem weitgehend eingeschläferten Stadtzentrum, in dem Einkaufen einfach nicht mehr möglich sein wird.

Und der Öffentliche Verkehr ? Dieser wird nicht oder kaum zu diesen EKZ führen und sich auf eine stark alternde Bevölkerung konzentrieren. Durch den gewollten Exitus der Oberen Stadt wird auch diese kaum mehr angebunden an den ÖV. Eine Durchfahrtsroute zwischen Gugging, Niedermarkt und Weidling nach Wien wird den Kern bilden, der Rest ist zum Sterben verurteilt. Da hilft dann auch kein Stadtbus mehr, der den Kienerplanern scheinbar ein Dorn im Auge ist, aber für die ältere Bevölkerung unabdingbar ist. Deckung des täglichen Bedarfs zu Fuß im wirklichen Nahbereich der Altstadt kann man vergessen.

Welche Geschäfte werden aussterben ? In der Oberen Stadt wird die totale tote Hose herrschen, in der Unteren Stadt werden die Trafiken, Lebensmittelhändler und größeren Geschäfte an die Randzone der Stadt (siehe oben) ausweichen. Je besser die finanziellen Möglichkeiten, desto eher werden sie abwandern! Übrig bleibt ein provinzieller Branchenmix mit kleinen und kleinsten Geschäften, die Mieteinnahmen innerhalb der Stadt werden stark zurückgehen und klein sein im Vergleich zu den großen EKZ.

Nochmals, warum dieser Brief ? Ich schreibe diesen Brief, weil es höchste Zeit, eher 1 Sekunde vor 12 ist, diese EKZ nur sehr eingeschränkt zu bewilligen. Sind sie erst einmal gebaut, ziehen sie Verkehr an und wachsen über die nächsten 10 Jahre auf die 5 fache Größe (mindestens). Sie zerreißen Klosterneuburg, wenn dies von der ÖVP gewollt ist, so ist dies traurig für diese Stadt. Die einzige Chance für Klosterneuburg ist ein EKZ in der Stadt, am besten statt dem unglückseligen Parkdeck, das eh nur leer steht. Die Wege, die in Tulln gegangen werden, sind beispielhaft für uns (ich benutze hier die Zeitung Unser Tulln). EKZ am Stadtrand sind aber der Tod für diese Stadt, wenn man nicht gleichzeitig was für den Stadtkern macht.

Ich kann abschließend nur hoffen, mit diesem Leserbrief die Gemeinde aufzurütteln und diese Zersplitterung der Stadt mit dem anschließenden Tod des Stadtkerns nicht zuzulassen.

Mit freundlichen Grüßen

Martin Gruber, Bürger der Stadt Klosterneuburg

Last modified 2008-07-02 12:06 PM
  • Unausgelastetes Parkdeck (R1)
  • Unausgelastetes Parkdeck - aber ein zweites soll her, das die ÖBB nicht will
  • Feinstaub-Aktion (R2)
  • Feinstaub-Aktion von Global2000 vor Lebensministerium
  • Feinstaubmessung (R3)
  • Greenpeace technisch hochgerüstet für Feinstaubmessung