Umfahrungsfreigabe fährt Naherholungsgebiet zu Grabe
In seinem aktuellen Bericht stellt selbst der Rechnungshof fest, daß durch die Umfahrung keine langfristige Entlastung des Ortsgebietes zu erwarten ist, was Bgst. Schuh mit den Worten kommentierte: „Bei ihrer Einschätzung zur Umfahrung waren die Rechnungshof-Beamten wohl überfordert.“
Das Fehlen eines aktuellen Verkehrskonzeptes, welches die PUK schon seit Jahren fordert, kritisierte der Rechnungshof ebenfalls, trotzdem ist nach den Aussagen von Bgst. Schuh offensichtlich die verkehrspolitische Konzeptlosigkeit prolongiert. Der massive Widerstand gegen die Verkehrsmaßnahmen nach Verkehrsfreigabe der Umfahrung, besonders gegen die Tempobremse in der oberen Stadt (sie sind eben nur konzeptlose Einzelmaßnahmen, die Letztfassung der Pläne wurde lediglich im Amtsblatt veröffentlicht) ist dafür ein beredtes Zeichen. Ohne Bürgermitsprache und Bürgerbeteiligung über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung sollen diese Maßnahmen, nun nach Aussage von Bgst. Schuh, durchgeboxt werden. Wirklich kein Zeichen gelebter Demokratie. Betroffen und vor den Kopf gestoßen wird auch das Gymnasium, das mit einem Mobilitätsmanagementprojekt gemeinsam mit der Stadtverwaltung die katastrophale Verkehrssituation um das Gymnasium verbessern wollte.
Die Umfahrung ist für die PUK ein 77 Mio € teures reines Autoverkehrsförderungsprojekt. Die einseitige Bevorzugung des Autoverkehrs durch gigantische Infrastrukturprojekte, wie eben diese Umfahrung und auch der geplante Martinstunnel sind, ist einfach nicht mehr zeitgemäß, denn angesichts des Stauchaos in Wien, der Ausweitung der Wiener Kurzparkzonen, einer möglichen Citymaut in Wien oder eines PKW Roadpricing (im Zeitraum von 1-10 Jahren), hoher Treibstoffkosten und schwindender Ölreserven, CO2 Reduktionsmaßnahmen auch für Gemeinden (Strafzahlungen bei Nichterreichung der Kyotoziele) und der Feinstaubproblematik sind dem Autoverkehr ohnehin Grenzen gesetzt. Auto-Wienpendeln wird sehr teuer werden. Es zeigt sich daß in allen Ballungsräumen der Ausbau des öffentl. Verkehrs mehr Autoverkehrsentlastung bringt als der Straßenbau. Mit den 77 Mio € der Umfahrung hätte man Klosterneuburgs Öffis derart verdichten, beschleunigen und in die Randgebiet ausdehnen können, daß ein Großteil der Auto-Wienpendler auf die wesentlich kostengünstigere Jahresnetzkarte der Öffis umgestiegen wären. Zuschüsse für Bedürftige zu Jahresnetzkarten inbegriffen. Die Autoverkehrsentlastungseffekte wären deutlich höher als durch die Umfahrung.
Eine klima-, umwelt-, ressourcenschonende, nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität für ALLE, ist nur mit einer Gleichberechtigung aller Verkehrsmittel bei der Finanzierung zu erreichen. Ein ausgewogener Mobilitätsmix ist von Nöten. Wenn man womöglich, wie es ja der Wunsch der Mehrheit im Gemeindrat ist, mit dem Martinstunnel noch tiefer in die verkehrspolitische Sackgasse hinein fährt, wird der Rückweg in eine zukunftsfähige Mobilität noch viel, viel länger werden, sehr zum Schaden für Umwelt, Lebensqualität und Naherholung von Klosterneuburg.