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Umfahrungsfreigabe fährt Naherholungsgebiet zu Grabe

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Mit Vollgas in die verkehrspolitische Sackgasse: Wo sich einst Spaziergänger, Radfahrer, Läufer, Skater, Familien mit Kindern und Kinderwägen zwischen schattenspendenden Kastanienbäumen autoverkehrsfrei tummelten, nur wenige Schritte hinter Niedermarkt, Stadtplatz und Martinsviertel, wird nun dieses ehemalige romantische und idyllische Naherholungsgebiet von tausenden Autos Tag und Nacht überrollt und beschallt. Eine Barriere aus Beton und röhrenden Auspuffen wurde nun zwischen Stadt und Au geschaffen.
Als großartige Leistung und als einen wesentlichen Beitrag für Lebensqualität und Umweltschutz und als Lösung der Klosterneuburger Verkehrsprobleme wurde die Umfahrung von unseren Politikern, allen voran Bgst. Schuh und LH Pröll und den ihnen applaudierenden Stadt- und Gemeinderäten von ÖVP und SPÖ, gefeiert. Für Menschen, die die Welt lediglich aus der Windschutzscheibenperspektive wahrnehmen, ist die Betonpiste in der Au ein Grund zum feiern, doch Menschen die einen etwas größeren Horizont haben, sehen, daß seit Jahrzehnten Natur, Lebens- und Erholungsräume dem Autostraßenbau geopfert wurden und werden und Lebens- und Luftqualität und damit die Gesundheit dauernd vermindert wird, ohne daß sich in Ballungsräumen die Autostaus verringern! Straßenbau ist im Ballungsraum wirkungslos, predigt nicht nur das Österr. Institut für Raumplanung seit Jahrzehnten sondern alle Verkehrsexperten, die auch moralische Autoritäten sind. Nach seriösen Verkehrsprognosen werden sich die Stau­zeiten in Wien bis zum Jahr 2035 verdoppeln. Mit der Umfahrung haben dann die Klosterneuburger Wienpendler die einmalige Chance ein paar Minuten früher im Wienstau zu stehen.

In seinem aktuellen Bericht stellt selbst der Rechnungshof fest, daß durch die Umfahrung keine langfristige Entlastung des Ortsgebietes zu erwarten ist, was Bgst. Schuh mit den Worten kommentierte: „Bei ihrer Einschätzung zur Umfahrung waren die Rechnungshof-Beamten wohl überfordert.“

Das Fehlen eines aktuellen Verkehrskonzeptes, welches die PUK schon seit Jahren fordert, kritisierte der Rechnungshof ebenfalls, trotzdem ist nach den Aussagen von Bgst. Schuh offensichtlich die verkehrspolitische Konzeptlosigkeit prolongiert. Der massive Widerstand gegen die Verkehrsmaßnahmen nach Verkehrsfreigabe der Umfahrung, besonders gegen die Tempobremse in der oberen Stadt (sie sind eben nur konzeptlose Einzelmaßnahmen, die Letztfassung der Pläne wurde lediglich im Amtsblatt veröffentlicht) ist dafür ein beredtes Zeichen. Ohne Bürgermitsprache und Bürgerbeteiligung über die Köpfe der betroffenen Bevölkerung sollen diese Maßnahmen, nun nach Aussage von Bgst. Schuh, durchgeboxt werden. Wirklich kein Zeichen gelebter Demokratie. Betroffen und vor den Kopf gestoßen wird auch das Gymnasium, das mit einem Mobilitätsmanagementprojekt gemeinsam mit der Stadtverwaltung die katastrophale Verkehrssituation um das Gymnasium verbessern wollte.

Die Umfahrung ist für die PUK ein 77 Mio € teures reines Autoverkehrsförderungsprojekt. Die einseitige Bevorzugung des Autoverkehrs durch gigantische Infrastrukturprojekte, wie eben diese Umfahrung und auch der geplante Martinstunnel sind, ist einfach nicht mehr zeitgemäß, denn angesichts des Stauchaos in Wien, der Ausweitung der Wiener Kurzparkzonen, einer möglichen Citymaut in Wien oder eines PKW Roadpricing (im Zeit­raum von 1-10 Jahren), hoher Treibstoffkosten und schwindender Ölreserven, CO2 Reduktionsmaßnahmen auch für Gemeinden (Strafzahlungen bei Nichterreichung der Kyotoziele) und der Feinstaubproblematik sind dem Autoverkehr ohnehin Grenzen gesetzt. Auto-Wienpendeln wird sehr teuer werden. Es zeigt sich daß in allen Ballungsräumen der Ausbau des öffentl. Verkehrs mehr Autoverkehrsentlastung bringt als der Straßenbau. Mit den 77 Mio € der Umfahrung hätte man Klosterneuburgs Öffis derart verdichten, beschleunigen und in die Randgebiet ausdehnen können, daß ein Großteil der Auto-Wienpendler auf die wesentlich kostengünstigere Jahresnetzkarte der Öffis umgestiegen wären. Zuschüsse für Bedürftige zu Jahresnetzkarten inbegriffen. Die Autoverkehrsentlastungseffekte wären deutlich höher als durch die Umfahrung.

Eine klima-, umwelt-, ressourcenschonende, nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität für ALLE, ist nur mit einer Gleichberechtigung aller Verkehrsmittel bei der Finanzierung zu erreichen. Ein ausgewogener Mobilitätsmix ist von Nöten. Wenn man womöglich, wie es ja der Wunsch der Mehrheit im Gemeindrat ist, mit dem Martinstunnel noch tiefer in die verkehrspolitische Sackgasse hinein fährt, wird der Rückweg in eine zukunftsfähige Mobilität noch viel, viel länger werden, sehr zum Schaden für Umwelt, Lebensqualität und Naherholung von Klosterneuburg.

Last modified 2008-12-19 10:46 AM
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