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Unangenehme Fakten zur „Umfahrung Klosterneuburg

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Ein Überblick der wichtigsten Punkte der "Umfahrung": Neben einer Projektdarstellung (Verlauf und geplante Bauten, Projektstatus) werden die Konsequenzen (u.a. Kosten, Luftverschmutzung), die Alternativen zum Bau und auch mögliche Aktivitäten Ihrerseits aufgezeigt.

Aktuell projektierter Verlauf

Das Gesamtprojekt „Umfahrung Klosterneuburg“ sieht vor: Anbindung der B14 ans Industrieviertel, von dort Führung einer Hochleistungsstraße zunächst parallel zur B14, weiter durch die Au bis ins Martinsviertel (erster Straßenbauabschnitt) und dort die Anbindung sowohl an den sog. Martinstunnel, der unterm Ölberg durch ins Kierlingtal führen soll, als auch die Anbindung an eine Donaubrücke nach Korneuburg zur Donauuferautobahn.

Projektstatus (Dez. 2005)

Am 5.11.2003 wurde für den ersten Straßenbauabschnitt (ohne Martinstunnel, ohne Donaubrücke) die Verhandlung zur straßenbehördlichen Bewilligung abgehalten. Im Zuge der Verhandlung wurde der Bereich „Weidlinger Platz“ (Einmündung Weidlinger Straße in die Wiener Straße) wegen unüberbrückbarer Planungsmängel aus dem Genehmigungsverfahren ausgenommen. Für diesen wesentlichen Projektteil liegt noch immer keine Umplanung vor und es fehlen selbst für den ersten Bauabschnitt noch weitere wesentliche Genehmigungsbescheide (zB Wasserrecht). Zudem sind einige notwendige Grundstücksablösen ausständig. Es kann derzeit weder von einer abgeschlossenen Planung noch von einer gültigen Genehmigung des Projektes gesprochen werden. Für detailliertere Informationen zum aktuellen Status beachten Sie bitte die Rubrik "Status/Zeitung" in unseren Seiten.

Straßengröße und Kunstbauten

Die geplante Straße ist in Bezug auf Größe und benötigter Kunstbauten (zB Unterführungen, Brücken, seitliche Mauern, Tunnel) mit einer herkömmlichen hochfrequentierten Straße nicht vergleichbar. Im Artikel über die Trassenführung finden Sie detaillierte Informationen.

Dazu drei Beispiele:

  • 6-spurige Fahrbahn vor dem Bahnhof Weidling.
  • Die Unterführung des Weidlingbaches unterschreitet das Straßenniveau um 13m (!!!)
  • Die 222m lange Brücke zur Albrechtsstraße erhebt sich bis zu 16m (entspricht einem 5-stöckigen Haus) über das vorhandene Gelände.

Zusätzlich liegt die geplante Straße im Überschwemmungsgebiet der Donau, was spezielle Kunstbauten (dichte Wannen für Unterführungen, die mit ihren Tiefpunktenzum Teil unter dem Grundwasserspiegel liegen; Stützmauern bis zu 4,5m Höhe) erfordert. Im Übrigen soll die Straße nur vor einem 30-jährlichen Hochwasser schützen (übliche Praxis: 100-jährliches Hochwasser).

Großlösung um Wien

Liest man die Projektunterlagen und die von den Betreibern in Auftrag gegebenen Gutachten wird eindeutig klar, dass das Projekt Bestandteil eines überregionalen Straßenringes um Wien ist, und somit nicht dazu dient den regionalen Pendler-Verkehr von Klosterneuburg-Wien zu kanalisieren.

Konsequenzen des Straßenbaues (Kosten, ökologische Effekte, Radweg)

Unmittelbare Konsequenz der benötigten Kunstbauten sind extrem hohe Errichtungskosten, die sonst lediglich für Autobahnen in extrem schwierigen Gelände aufgewendet werden müssen (€ 70 Mio. bzw. rund € 20 Mio./km). Bezüglich der laufenden Betriebskosten liegen noch immer keine exakte Angaben vor; von hohen Betriebskosten ist jedoch auszugehen. Die projektierten dichten Wannen müssen bei Regenfällen stets abgepumpt (!!!) und bei – den zuletzt immer häufigeren - Überschwemmungen aufwändig von Schlamm befreit werden. Zudem erfordern die bis zu 6 % hohen Steigungen bei Brücken und Unterführungen einen kostenintensiven Winterdienst (Aufbringung und Entsorgung von Streusplit) mit hoher Vereisungsgefahr bei Brücken,.

Das derzeit eingereichte Projekt einer „Entlastungsstraße“ ergibt für Klosterneuburg nur geringen Nutzen, zusammen mit den weiteren geplanten Projekten (Martinstunnel, Donaubrücke) jedoch eine für den übergeordneten Verkehr hohe Verkehrswirksamkeit, mit allen damit verbundenen Auswirkungen, vor allem erhöhten Schadstoffausstoß. Bei den erwähnten Verkehrssteigerungen handelt es sich vorwiegend um Transitsverkehr, der für Klosterneuburg keinen ersichtlichen Nutzen bringt.

Als weitere Konsequenz muss für einen großen kreuzungsfreien Verkehrsknoten im Bereich des Martinssteges der von zahlreichen Touristen genutzte Radweg verlegt werden. Die Radwege wie auch Erholungsgebiete (Happyland, Aupark, Strandbad, Au,...) werden künftig in unmittelbarer Nähe zur Durchzugsstraße liegen.

Umgehung Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP)

Laut UVP-Gesetz ist sowohl die Größe als auch das Einreichdatum eines Projektesentscheidend für die Notwendigkeit zur Durchführung einer UVP. Im Nov. 2002 wurden Messdaten, die Grenzwertüberschreitungen in Klosterneuburg feststellten, an das Umweltamt gesandt. Diese führten zur Einstufung Luftgüte „Belastetes Gebiet Kat. D-Luft“ – d.i. gleich bedeutend mit Sanierungsgebiet. Bevor die Verordnung durch den Umweltminister erlassen wurde, fand einerseits die straßenrechtliche Verhandlung am 5.11.2003 statt und andererseits stellte das Land NÖ als oberste Umweltbehörde am 31.1.2003 mit Feststellungsbescheid fest, dass keine UVP notwendig ist. Nebenbei angemerkt ist das Land NÖ gleichzeitig Projektbetreiber und deshalb nicht frei von Interessenkonflikten. Schwerwiegend ist zusätzlich, dass das Projekt gestückelt wurde (1. Abschnitt = „Umfahrung“, 2. Abschnitt = Martinstunnel, 3. Abschnitt = Donaubrücke) und so auch aus diesem Grund keine UVP notwendig wurde. Eine Umgehung einer UVP durch eine Zerstückelung von Großprojekten ist jedoch grundsätzlich unzulässig, deshalb hat die PUK eine Verfassungsgerichtshof Beschwerde eingebracht.

Verkehrstechnisches Gutachten

Laut verkehrstechnischem Gutachten der NÖ-Landesregierung erreicht die Auslastung der geplanten Straße an der Einmündung der Weidlinger Straße bereits 1 Jahr nach Eröffnung (2008) nahezu jene Auslastung, die entsprechend den Ausführungen der RVS (Richtlinie für das Verkehrs- und Straenwesen) bei Kreisverkehren nicht überschritten werden sollte. Die absolute Leistungsgrenze sei bereits 2012 erreicht. Vor allem im Bereich des Kreisverkehrs Weidlinger Straße seien in absehbarerZeit deutliche Rückstauerscheinungen zu erwarten. In der zusammenfassenden Bewertung kommt das Gutachten zum Schluss, dass "... aus verkehrtechnischer Sicht dieErfüllung der im Gesetz enthaltenen Forderungen jedenfalls nicht bestätigt werden kann.". Unterm Strich bewirkt die Straße nicht den erhofften Entlastungseffekt und die Stauerscheinungen werden – allerdings mit allen damit verbundenen negativen Konsequenzen auf weit höherem Verkehrsniveau – an anderen Stellen erneut auftreten.

Alternativen

Die Alternative zur geplanten Straße ist ein effizientes Verkehrskonzept, das sämtliche Verkehrsteilnehmer und –träger inkludiert (PKW, öffentlicher Verkehr, Fahrradfahrer, Fußgänger). Dazu zählt u.a. die Förderung des öffentlichen Verkehrs (Beschleunigungsspuren für Busse, getaktete Fahrpläne, Einbindung Klosterneuburg in die Zone 100), dezentrale Pendlerparkplätze und die Entflechtung von Verkehrsspitzen. Hier sind einige Alternativen zusammengestellt.

Was können Sie tun?

Falls Sie den Bau der Straße in Frage stellen oder ablehnen, können Sie mehrfach aktiv werden. Am wichtigsten ist zu erkennen, dass es (noch) nicht zu spät ist und dass es außerordentlich wichtig ist, sich selbst und andere über das Projekt vollinhaltlich zu informieren. Weiters bitten wir Sie, uns Ihre Kontaktdaten (Adresse, e-mail) für weitere Aktivitäten unsererseits (zB Verteiler für Infos, Unterschriftenaktionen) via Homepage oder Telefon zukommen zu lassen.



Last modified 2005-12-21 10:15 AM
  • Übersichtskarte (klein)
  • Übersichtskarte der Umfahrung (klein)
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